Das E-Commerce Paket 2 – Was sich für den Online- und Versandhandel ändert

Bereits im Dezember 2017 haben sich die Finanzminister der EU-Staaten auf das E-Commerce Paket 2 geeinigt, dessen Regelungen offiziell ab dem 01. Juli 2021 in Kraft treten. Das Paket gilt als wichtiger Schritt zur Etablierung eines einheitlichen Mehrwertsteuersystems und trägt dabei vor allem dem starken Anstieg elektronisch durchgeführter Fernverkäufe Rechnung. Insofern bietet der folgende Beitrag einen hilfreichen Überblick zu den zentralen Änderungen, die es zukünftig im Online- und Versandhandel zu beachten gilt.

Umsatzsteuer Onlinehandel: Die Kernpunkte des E-Commerce Pakets 2

Im Zentrum des E-Commerce Pakets 2 steht die Etablierung des Verfahrens „One-Stop-Shop“ (OSS), das zukünftig für alle Händler die zentrale Anlaufstelle bei der Erklärung ihrer ausländischen Umsatzsteuer bildet. Dieses ist eine Erweiterung des 2015 eingeführten MOSS Verfahrens (Mini-One-Stop-Shop), im Rahmen dessen Anbieter von elektronischen Dienstleistungen ihre Steuererklärung bereits vereinheitlicht an das Bundeszentralamt für Steuern übermitteln konnten. Gemäß des relevanten §3c UStG bleibt für den grenzüberschreitenden Handel somit zwar weiterhin die Anwendung des Umsatzsteuerrechts im Empfängerland gültig. Wie das MOSS Verfahren führt das OSS jedoch zu einer wesentlichen Vereinfachung bei der Abgabe der Umsatzsteuererklärungen. Diese Maßnahme geht zugleich mit der Abschaffung der Grenze für umsatzsteuerfreie Einfuhren einher, die bis dato für Waren mit einem Wert von 22 Euro oder weniger gegolten hat.

Für den Fernverkauf sieht das E-Commerce Paket parallel zum OSS Verfahren die Harmonisierung der unterschiedlichen Lieferschwellenwerte vor. Die länderbezogenen Lieferschwellen 2020 werden dabei EU-weit durch einen Schwellenwert von 10.000 Euro ersetzt. Generell ist ab diesem Betrag zukünftig also die Mehrwertsteuer im Bestimmungsland zu entrichten. Nach §3a Abs. 5 UStG fließen in diese Lieferschwelle ebenso alle rein elektronischen Dienstleistungen ein. Bei Lieferungen in einen EU-Mitgliedsstaat, welche unterhalb des Schwellwerts liegen, besteht allerdings weiterhin die Option, auf die Anwendung der Lieferschwellenregelung zu verzichten. Dies ist vor allem in Fällen lohnenswert, in denen die Umsatzsteuer des Bestimmungslandes niedriger ist als jene des Ursprungslandes.

Die Teilnahme am OSS wird dabei durch den §18j UStG geregelt, der festlegt, dass alle innergemeinschaftlichen Fernverkäufe über das Verfahren zu melden sind. Generell ist hierzu eine Registrierung vor dem Beginn des eigentlichen Besteuerungszeitraums am 01. Juli 2021 notwendig. Die Einreichung der Steuererklärung sowie die Zahlung entsprechender Forderungen erfolgt anschließend quartalsweise mit dem 31. Oktober 2021 als erstmaligen Stichtag. Darüber hinaus kann das OSS Verfahren nur einheitlich für alle Fernverkäufe angewendet werden und unterliegt einem speziellen Verfahrensrecht.

Besonderheiten für den Online Versandhandel über elektronische Schnittstellen

Neben den genannten Aspekten sieht das E-Commerce Paket zugleich weitere Bestimmungen für den Handel über elektronische Schnittstellen – wie etwa digitale Marktplätze und Online-Plattformen – vor. So werden die Betreiber dieser Schnittstellen bei Waren mit einem Drittlandbezug und einem Wert von bis zu 150 Euro fiktiv in die Umsatzkette mit einbezogen, wenn die Bestellung nicht durch ein Unternehmen erfolgt. Somit kommt dem Schnittstellenbetreiber in diesen Fällen die Rolle des Steuerschuldners zu. Aus diesem Grund ist ab Juli 2021 eine entsprechende Unterscheidung zwischen Privatkonten und Unternehmerkonten zwingend notwendig. Außerdem gilt zu beachten, dass der Leistungsempfänger in diesem Zusammenhang niemals zu einem Vorsteuerabzug berechtigt ist, da Abrechnung und Rechnungsstellung nicht durch den Leistenden im eigentlichen Sinne zustande gekommen sind. Die Zollbefreiung für Waren aus Drittstaaten im Wert von bis zu 150 Euro bleibt hingegen unangetastet.

Sollten Sie weiterführende Fragen zu den vielfältigen Bestimmungen des E-Commerce Pakets und seiner Bedeutung für Ihre unternehmerische Praxis haben, steht Ihnen die Kanzlei Nick gerne mit einer professionellen Erstberatung zur Seite.