In vielen Familienbetrieben herrscht die klassische Konstellation. Mario führt ein kleines Handwerksunternehmen. Seine Frau Jutta unterstützt ihn in Teilzeit bei organisatorischen Angelegenheiten, in der Buchhaltung und bei allem, was noch so anfällt. Die Beiden haben einen Ehegattenarbeitsvertrag abgeschlossen und Jutta verdient ordnungsgemäß Lohn. Der erwachsene Sohn des Paares, Jan, arbeitet im Tagesgeschäft mit und soll das Unternehmen zukünftig übernehmen.

Mario gehört der Betrieb, seine Frau und sein Sohn sind bei ihm angestellt. Dieses Arbeitsverhältnis hat für die Familie gleich mehrere Vorteile. Zum einen genießt bei dieser Konstellation oft jeder Beteiligte mehr Flexibilität, zum anderen lassen sich bei rechtlich korrekten Beschäftigungsverhältnissen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge einsparen. Denn solange ein (schriftlicher) Ehegattenarbeitsvertrag abgeschlossen wurde, erhöhen die Lohnkosten und Lohnnebenkosten des Ehepartners die Betriebsausgaben und können die Einkommen- und Gewerbesteuer mindern. Des Weiteren ist der Ehegatte sozial abgesichert.

Ehegattenarbeitsvertrag – Was gibt es beim Abschluss zu beachten?

Arbeitsverträge unter Ehepartnern und anderen Angehörigen werden von den Finanzbehörden besonders kritisch unter die Lupe genommen, um jegliche Form des Missbrauchs zu vermeiden. Arbeitsverhältnisse können nur dann steuerrechtlich anerkannt werden, wenn sie ernsthaft vereinbart und entsprechend der Vereinbarung wirklich durchgeführt werden. Es müssen verschiedene Aspekte beachtet werden, damit ein Ehegattenarbeitsvertrag einem Fremdvergleich standhält und vom Finanzamt anerkannt wird:

1.) Einem Fremdvergleich standhalten
Alle vertraglichen Regelungen müssen so abgeschlossen werden, wie sie auch mit einem externen Dritten vereinbart worden wären. Das bedeutet, dem Ehegatten wird ein ordentliches Gehalt zugeschrieben, welches monatlich auf ein Konto ausgezahlt wird, das nicht dem Betriebsinhaber selbst gehört. Das Gehalt sollte dem markt- und ortsüblichen Tarif entsprechen – Dumpingpreise und Spitzenlöhne werden nicht anerkannt. Es gilt eine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit und es gibt einen zugesicherten Urlaubsanspruch. Kündigungsfristen entsprechen den am Arbeitsmarkt üblichen. Nur wenn das Arbeitsverhältnis diesem Fremdvergleich standhält, wird es auch steuerlich anerkannt.

2.) Tatsächliche Ausführung der vereinbarten Tätigkeiten
Der Ehegatte sollte die vertraglichen Tätigkeiten im vereinbarten Umfang tatsächlich leisten und ihnen nicht nur auf dem Papier zugestimmt haben. Betriebsprüfer des Finanzamtes kontrollieren streng, ob dies tatsächlich der Fall ist und bei berechtigten Zweifeln kann der Ehegattenarbeitsvertrag gar rückwirkend aberkannt werden.

3.) Schriftlicher Ehegattenarbeitsvertrag
Grundsätzlich ist die Schriftform des Arbeitsvertrages unter Ehegatten nicht unbedingt erforderlich, doch ist dies aus Beweisgründen ratsam. Alle vertraglichen Vereinbarungen sollten ernst und eindeutig niedergelegt und der Vertrag spätestens mit Beginn der Tätigkeit abgeschlossen werden.

Gleiche Bestimmungen gelten auch für nicht eheliche Lebenspartner – Geschiedene und Verlobte, die zusammenarbeiten und in den Genuss der Steuervorteile kommen möchten. Auch für sie empfiehlt es sich, einen Arbeitsvertrag abzuschließen. Mit anderen Familienangehörigen – den Kindern, Enkeln, Tanten und Onkeln – können natürlich ebenfalls Arbeitsverträge abgeschlossen werden, solange Sie hiermit nicht gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz verstoßen.

Welche Vorteile ergeben sich aus dem Ehegattenarbeitsvertrag genau?

Wie bereits zuvor erwähnt ergeben sich aus einem Ehegattenarbeitsvertrag sowohl für den Arbeitgeber- als auch den Arbeitnehmer verschiedene Vorteile:

Für den Firmeninhaber:

  • Ehegattengehalt und Sozialversicherungsbeiträge erhöhen die Betriebsausgaben und können von der Gewerbe- und Einkommenssteuer abgesetzt werden

Für den angestellten Ehepartner:

  • Einzahlung in Sozialversicherung und somit Teil der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung, sowie Leistungen bei Arbeitslosigkeit und Berufsunfällen
  • Es besteht die Möglichkeit die Kinder beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenversicherung mitzuversichern
  • Anspruch auf Riester-Zulagen, der als sogenannter abgeleiteter Riester-Zulagenanspruch auch für den Arbeitgeber-Ehepartner zur Verfügung steht.
  • Möglichkeit der steuerfreien Sachbezüge (z. B. Tankgutschein) bis zu einer Höhe von 44 Euro monatlich
  • Fahrtkosten zur Arbeit können als Werbungskosten abgesetzt werden
  • Tantieme- und Leistungszusage und PKW-Überlassung als Dienstwagen möglich, solange dies dem Finanzamt gegenüber begründet werden kann. Auch hier gilt es wieder den Fremdvergleich anzusetzen. Arbeitet der Ehepartner auf geringfügiger Beschäftigungsbasis, würde ihm oder ihr unter „normalen“ Umständen möglicherweise kein Dienstwagen zustehen. Bei Nachfragen und Betriebsprüfungen sollten Sie schlüssige Argumente vorbringen können, warum Ihrem Ehepartner gewisse Zusagen gemacht wurden und wie diese auf das Tagesgeschäft des Betriebes Einfluss nehmen. Werden anderen Beschäftigen gleiche Zusagen gemacht?

Minijob vs. normale Anstellung

Ob für Sie und Ihren Ehepartner eine sozialversicherungspflichtige Anstellung in Ihrem Unternehmen oder ein Minijob günstiger ist, hängt ganz von Ihrer persönlichen Situation ab.

Ist der Gatte stark involviert und arbeitet eine hohe Anzahl an Stunden, kann es ratsam sein, selbst Rentenpunkte zu sammeln und eine normale Anstellung in Betracht zu ziehen. Geht es hauptsächlich um die reine Steuerersparnis, kann eine geringfügige Beschäftigung, zum Beispiel als Minijob die günstigere Lösung sein. Im letzteren Fall ist ein Verdienst bis zu 5.400 Euro im Jahr steuerfrei und der Arbeitgeber (Ehepartner), darf die Lohnkosten trotzdem von der Steuer absetzen. Für das Ehegattengehalt wird eine relativ geringe Lohnsteuer von pauschal zwei Prozent angesetzt.

Gern unterstützt Sie unser vertrauter Anwalt bei der Erstellung eines Ehegattenarbeitsvertrags und wir berechnen gemeinsam mit Ihnen die individuellen Optionen.