Gründer und kleine Unternehmen stehen vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Neben dem eigentlichen Tagesgeschäft müssen zum Beispiel bürokratische Angelegenheiten erledigt werden und diese können den ein oder anderen auch schon mal an den Rand der Verzweiflung bringen. Das Finanzamt will kleine Betriebe unterstützen und ihnen mit der Kleinunternehmerregelung die Buchhaltung erleichtern.

Was ist die Kleinunternehmerregelung?

Nach §19 UStG gelten Betriebe als Kleinunternehmen, die …

  • im vorherigen Geschäftsjahr einen tatsächlich vereinnahmten Umsatz von 22.000 Euro (17.5000 Euro bis zum Jahr 2019) nicht überschritten haben und
  • im aktuellen Geschäftsjahr voraussichtlich unter der Umsatzgrenze von 50.000 Euro bleiben.

Unternehmen, die diese Kriterien erfüllen, dürfen sich eine Ausnahmeregel zunutze machen, die ihnen einen finanziellen Vorteil bei der Umsatzsteuer verschafft, die Kleinunternehmerregelung. Mit dem dritten Bürokratieentlastungsgesetz wurde diese nun angehoben.

Durch die Erhöhung der Umsatzgrenze von 17.500 Euro auf 22.000 Euro zum 1.1.2020 sind nun mehr Unternehmen als bisher in der Lage von der Kleinunternehmerregelung zu profitieren. Die Anhebung stellt für diese kleinen Betriebe eine enorme Erleichterung dar. Sie sind nicht mehr dazu verpflichtet die Umsatzsteuer in Rechnungen auszuweisen, eine Umsatzsteuer-Voranmeldungen vorzunehmen oder die Umsatzsteuererklärung an das Finanzamt abzugeben.

Für Organisationen, die in 2019 Umsätze zwischen 17.500 Euro und 22.000 Euro erzielt haben, gilt bereits die neue, erhöhte Regelung. Soweit sie in 2020 voraussichtlich die Umsatzgrenze von 50.000 Euro nicht überschreiten, gelten sie weiterhin als Kleinunternehmen.

Was gibt es noch zu beachten? Im ersten Jahr der Geschäftstätigkeit nach Gründung eines Unternehmens muss der geschätzte tatsächliche Umsatz auf ein gesamtes Jahr hochgerechnet werden. Nehmen wir zum Beispiel an, Sabine macht sich am 15. Juni mit einem Yoga-Studio selbstständig. Die Kleinunternehmer-Umsatzgrenze beträgt in ihrem Fall nur 12.833 Euro, also 7/12 von 22.000 Euro. Kann Sabine absehen, dass sie mehr Umsatz erzielen wird, darf sie die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch nehmen.

Welche Vor- und Nachteile hat die Kleinunternehmerregelung?

Vorteile der Kleinunternehmerregelung:

Der größte Vorteil der Kleinunternehmerregelung liegt in der Bequemlichkeit. Sowohl bei Ausgangsrechnungen als auch bei Eingangsrechnungen wird die Verwaltung und die Brutto-Netto-Unterscheidung vereinfacht. Die Umsatzsteuererklärung für das Finanzamt kann ohne großen Aufwand erstellt werden und Umsatzsteuervoranmeldungen sind nicht erforderlich. Klingt recht komfortabel, oder?

Neben der Vereinfachung der Buchhaltung ergibt sich für kleine Dienstleister aus der Kleinunternehmerregelung außerdem ein bedeutender Wettbewerbsvorteil. Dienstleistungen oder Produkte können bei gleicher Gewinnspanne günstiger angeboten werden, da die Umsatzsteuer im Vergleich zu Betrieben, die der Regelbesteuerung unterliegen, auf Rechnungen nicht aufgeführt werden muss.

Nachteile der Kleinunternehmerregelung:

Die Kleinunternehmerregelung ist nicht in jedem Fall von Vorteil. Wer auf die Regelbesteuerung verzichtet, verzichtet gleichzeitig auf die Möglichkeit des Vorsteuerabzugs. Stehen im ersten Geschäftsjahr zum Beispiel hohe Investitionen für Büroeinrichtung und Wareneinkauf an, können diese nicht steuerlich kompensiert werden. Für kleine Unternehmen in der Startphase können sich diese erhöhten Betriebsausgaben verheerend auswirken.

Außerdem kann sich für manche Betriebe aus der Kleinunternehmerregelung auch ein Image-Problem ergeben. Beim Geschäft mit Privatkunden muss zum Beispiel der Preis irgendwann angehoben werden, wenn sich das Business positiv entwickelt und die Umsatzgrenze überschritten wird. Handeln Sie mit Firmenkunden könnte die fehlende Umsatzsteuer auf der Rechnung den Eindruck erwecken, Sie wären kein Profi.

Entscheidung für oder gegen die Kleinunternehmerregelung

Ob die Ausnahmeregelung, auch unter Beachtung der Erhöhung der Umsatzgrenze für Ihr Unternehmen die richtige Entscheidung ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ganz pauschal – ja oder nein – lässt sich die Frage „Lohnt sich die Kleinunternehmerregelung für mich?“ nicht beantworten. Sind Sie Vollerwerbsgründer oder möchten Sie Ihr Geschäft nebenberuflich führen? Haben Sie hohe Start- Investitionen? Rechnen Sie mit hohen Jahresumsätzen?

Sprechen Sie uns an und wir finden gemeinsam eine auf Ihre individuellen Bedürfnisse ausgerichtete Lösung!